Vorwort

Hanns Heinz Ewers (1871-1943), der sich selbst in der Nachfolge von Edgar Allan Poe und Oscar Wilde sah, gehört ohne Zweifel zu den Vergessenen der deutschen Literatur. Dafür gibt es eine ganze Reihe von ernstzunehmenden Gründen. Schon zu Lebzeiten wurde Ewers mit heftigen Vorwürfen konfrontiert: Zu dekadent war seine Themenwahl, die kaum ein Tabu der damaligen Zeit ausliess. Später kollaborierte er fatalerweise mit dem Dritten Reich, freilich ohne dabei sein Engagement für die Gleichberechtigung der Juden aufzugeben.

Ewers, der seine künstlerische Laufbahn als Kabarettist begann, sass stets zwischen allen Stühlen. Er schrieb erfolgreich satirische Fabeln, in denen er scharfzüngig das Spiessbürgertum attackierte, im gleichen Atemzug veröffentlichte er liebevoll gestaltete Märchenbücher für Kinder. Mit der meisterhaften Schilderung der Femme Fatale "Alraune" erlangte er Weltruhm und avancierte zum meistverkauften deutschen Autor seiner Zeit. Ausserdem ging Ewers als einer der ersten Filmpioniere in die Geschichte ein, mit "Der Student von Prag" erfand er den Autorenfilm und schrieb Dutzende Drehbücher, bis er schliesslich von den Nazis Schreibverbot erhielt und damit bis zu seinem Tode praktisch mundtot gemacht wurde.

Der Einfluss von Hanns Heinz Ewers auf die phantastische Literatur, insbesondere in Frankreich und den USA, darf nicht unterschätzt werden. In Deutschland half er, die Geisteshaltung und die Mentalität der Weimarer Rebublik und der "Goldenen Zwanziger" zu prägen: Zu auflagenstark waren seine Romane, zu präsent war seine persönliche Erscheinung im öffentlichen Leben, um übersehen zu werden. Selbst Bertolt Brecht sah sich gezwungen, sich mit dem "Fachmann für Entschleierung" auseinanderzusetzen. Dennoch findet Ewers in der herkömmlichen Literaturgeschichtsschreibung nicht mal als Fussnote Erwähnung.

Diesem Misstand versucht die Hanns-Heinz-Ewers-Gesellschaft nun mit einem umfassenden Informationsangebot entgegenzuwirken!